Glossar der Lichtwerbung: 40 Fachbegriffe von Acrylglas bis Werbeanlagensatzung
Die Erklärungen sind so geschrieben, dass sie eine Entscheidung tragen: nicht nur, was ein Begriff bedeutet, sondern auch, wann er in der Praxis den Ausschlag gibt. Wo ein Begriff mit einem anderen zusammenhängt, ist das im Text genannt. Ausführlich behandeln die Produktseiten und der Ratgeber die einzelnen Themen, das Baurecht ordnet unsere Übersicht der Landesbauordnungen.
- Acrylglas
- Transparenter Kunststoff, im Werbeanlagenbau das Standardmaterial für leuchtende Flächen. Gegossenes Acrylglas streut Licht ruhiger als extrudiertes, deshalb bleiben einzelne Leuchtpunkte unsichtbar und die Fläche wirkt geschlossen. Es lässt sich in der Masse einfärben oder mit lichtechter Folie belegen, sodass ein Schriftzug am Tag und bei Nacht denselben Farbton zeigt.
- Aluminiumzarge
- Der umlaufende seitliche Rand eines Profilbuchstabens, ausgeführt in Aluminium und in jedem RAL-Ton beschichtet. Die Zarge gibt dem Buchstaben seine Kontur und seine Bautiefe, verbindet Stirnfläche und Rückwand und nimmt die Befestigungspunkte auf. Aluminium ist leicht, formstabil und korrodiert nicht, deshalb hält die Kontur ihre Linie auch nach Jahren an der Fassade.
- Ansichtsfläche
- Die vom Betrachter aus sichtbare Fläche einer Werbeanlage. Sie ist die Bezugsgröße, mit der Bauordnungen und Satzungen arbeiten, wenn sie Grenzen für Werbeanlagen ziehen. Bei Einzelbuchstaben wird häufig nicht die Summe der Buchstabenflächen gerechnet, sondern das umschließende Rechteck. Wie im konkreten Fall gemessen wird, gibt die zuständige Behörde vor.
- Ausleger
- Werbeanlage, die quer zur Fassade in den Straßenraum ragt und dadurch längs der Straße gelesen werden kann. Meist doppelseitig ausgeführt und über eine Wandkonsole befestigt, wegen der Auskragung statisch relevant. Ragt der Ausleger über öffentlichen Grund, ist zusätzlich zur baurechtlichen Prüfung eine Sondernutzungserlaubnis nötig.
- Bauantrag
- Der förmliche Antrag auf Erteilung einer Baugenehmigung bei der zuständigen Bauaufsichtsbehörde. Für Werbeanlagen gehören dazu üblicherweise Lageplan, maßstäbliche Ansichten, Fassadenaufriss, technische Beschreibung, Angaben zu Leuchtdichte und Betriebszeiten sowie die Zustimmung des Eigentümers. Gestellt wird er vom Bauherrn oder von einem Entwurfsverfasser.
- Blockschrift
- Serifenlose Schrift mit gleichmäßiger Strichstärke und geschlossenen Formen. Im Werbeanlagenbau die verbreitetste Wahl, weil sie sich sauber in Profilbuchstaben übertragen lässt und aus großer Entfernung lesbar bleibt. Die gängigen Faustregeln zur Leseentfernung beziehen sich auf serifenlose Blockschrift; feine Serifen und dünne Striche verhalten sich anders.
- Corona-Effekt
- Anderer Name für den Lichtkranz, der bei einem Rückleuchter auf der Wand hinter dem Buchstaben entsteht. Der Begriff meint dasselbe wie Halo-Effekt und wird in Angeboten und Ausschreibungen gleichbedeutend verwendet. Beide beschreiben eine indirekte Wirkung: Nicht der Buchstabe leuchtet, sondern die Fläche um ihn herum.
- Digitaldruck
- Direktes Bedrucken von Acrylglas, Folie oder Textil mit UV-härtenden Farben. Im Leuchtkastenbau das übliche Verfahren, um Logo, Farbflächen und Text auf die Sichtfläche zu bringen. Für hinterleuchtete Flächen wird die Farbdichte so eingestellt, dass das Motiv am Tag deckt und bei Nacht gleichmäßig durchleuchtet.
- Distanzhülse
- Abstandshalter zwischen Buchstabe und Wand. Über ihre Länge wird bei einem Rückleuchter der Wandabstand eingestellt und damit die Breite des Lichtkranzes. Ein größerer Abstand erzeugt einen breiteren, weich auslaufenden Halo, ein kleinerer einen schmalen, harten Rand. Zugleich entsteht ein Luftspalt zwischen Buchstabe und Untergrund.
- Durchgesteckte Buchstaben
- Bauform, bei der Einzelbuchstaben durch die Front eines Leuchtkastens gesteckt sind und aus ihr hervorstehen. Der Überstand beträgt 7 mm. Die Kombination verbindet die plastische Wirkung von Einzelbuchstaben mit der geschlossenen Fläche des Kastens und wird gewählt, wenn neben dem Namen weitere Informationen auf die Fläche sollen.
- Einbrennlackierung
- Lackverfahren, bei dem die Beschichtung unter Hitze aushärtet und dadurch eine besonders widerstandsfähige Oberfläche bildet. Im Werbeanlagenbau eine Alternative zur Pulverbeschichtung, wenn Sonderfarbtöne oder besondere Oberflächenwirkungen gefragt sind. Beide Verfahren zielen auf dasselbe: einen Farbton, der über Jahre im Freien standhält.
- Frontleuchter
- Profilbuchstabe, dessen Licht nach vorn durch die Stirnfläche austritt. Der Schriftzug leuchtet selbst und ist die einzige Ausleuchtungsart, die auch bei Tageslicht als Leuchtwerbung wahrgenommen wird. Bevorzugt an stark befahrenen Straßen, in Gewerbegebieten und überall dort, wo Fernwirkung zählt. Gegenstück ist der Rückleuchter.
- Halo-Effekt
- Der Lichtkranz, der bei einem Rückleuchter auf der Wand hinter der Buchstabenkontur entsteht. Er wirkt architektonisch statt werblich und braucht einen hellen, gleichmäßigen Untergrund, damit das Licht sichtbar zurückgeworfen wird. Auf dunklen oder unruhigen Fassaden verpufft die Wirkung. Über Distanzhülsen wird eingestellt, wie breit der Kranz ausfällt.
- IP-Schutzart
- Kennziffer für den Schutz eines Gehäuses gegen Fremdkörper und Wasser. Die erste Ziffer steht für Staub, die zweite für Wasser. Werbeanlagen für den Außenbereich werden in IP65 ausgeführt: staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt. Im Innenraum genügt eine niedrigere Schutzart, weil weder Regen noch Frost angreifen.
- Kelvin
- Maßeinheit für die Farbtemperatur einer Lichtquelle. Niedrige Werte wirken warm, hohe wirken kühl. Gebräuchlich sind 3000 Kelvin Warmweiß für eine weiche Wirkung, 4000 Kelvin Neutralweiß als sachliche Mitte und 6500 Kelvin Kaltweiß für einen technischen Eindruck. In gestalterisch sensiblen Lagen ist die warme Variante meist die verträglichere Wahl.
- LED-Modul
- Kleine Platine mit mehreren Leuchtdioden, Linse und Vergussmasse, die im Inneren eines Buchstabens oder Kastens sitzt. Module werden zu Ketten verbunden und von einem Netzteil mit 12 oder 24 Volt versorgt. Die verbauten Module erreichen über 50.000 Betriebsstunden und lassen sich im Servicefall einzeln tauschen, ohne die ganze Anlage zu ersetzen.
- LED-Neon
- Biegsames Leuchtband im Silikonmantel, das die durchgehende Linie einer Glasneonröhre nachbildet. Es arbeitet im Niedervoltbereich, bleibt bruchsicher und kommt ohne Hochspannung aus. Entscheidend für das Ergebnis ist die Kontur: Sie muss so gezeichnet sein, dass das Band ihr ohne zu enge Radien folgen kann.
- Leuchtdichte
- Maß für die Helligkeit einer leuchtenden Fläche, angegeben in Candela pro Quadratmeter. Kommunale Satzungen begrenzen diesen Wert häufig, besonders in Wohnnachbarschaft und an Straßen mit Blendungsrisiko. Für einen Bauantrag wird die Leuchtdichte aus dem Datenblatt der eingesetzten Technik übernommen und zusammen mit den geplanten Schaltzeiten angegeben.
- Leuchtkasten
- Geschlossene, flächig beleuchtete Werbeanlage aus einem Aluminiumkorpus mit Sichtfläche aus Acrylglas. Sie trägt mehr Information als ein reiner Schriftzug, etwa Öffnungszeiten, Fachrichtung oder Marken, und wirkt dabei ruhig. Die eigentliche Aufgabe liegt in der gleichmäßigen Durchleuchtung: keine Streifen, keine hellen Punkte über den Modulen, keine dunklen Ecken.
- Lichtfarbe
- Die wahrgenommene Farbe des ausgestrahlten Lichts, bei Weißtönen beschrieben über die Farbtemperatur in Kelvin. Zur Wahl stehen 3000 Kelvin Warmweiß, 4000 Kelvin Neutralweiß und 6500 Kelvin Kaltweiß, für farbige oder wechselnde Schriftzüge zusätzlich RGBW. Festgelegt wird sie vor der Fertigung, weil sie die Anmutung stärker verändert als die Größe.
- Nasenschild
- Doppelseitige Werbeanlage quer zur Fassade, im Ergebnis dasselbe wie ein Ausleger. Der Begriff ist im Ladenbau und in der Gastronomie gebräuchlich. Beide Sichtflächen tragen meist dasselbe Motiv, damit das Schild aus beiden Gehrichtungen gelesen wird. In Fußgängerzonen die wirksamste Bauform, weil frontale Werbung dort kaum gesehen wird.
- Netzteil
- Bauteil, das die Netzspannung auf die Betriebsspannung der LED von 12 oder 24 Volt herunterregelt. Je nach Buchstabengröße sitzt es im Buchstaben selbst, in einem separaten Gehäuse hinter der Fassade oder im Innenraum. Neben den LED-Modulen ist es das Bauteil, das im Servicefall am häufigsten getauscht wird. Umgangssprachlich Trafo.
- Niedervolt
- Betrieb mit kleiner Spannung, im Werbeanlagenbau 12 oder 24 Volt. Die Buchstaben selbst arbeiten dadurch mit ungefährlicher Spannung, an die Hausinstallation angeschlossen wird nur das Netzteil. Das vereinfacht Montage und Wartung und unterscheidet moderne LED-Anlagen deutlich vom klassischen Glasneon, das mit Hochspannung arbeitet.
- Profilbuchstabe
- Einzeln gefertigter, dreidimensionaler Buchstabe aus Zarge, Stirnfläche und Rückwand, innen mit LED bestückt. Jeder Buchstabe ist ein eigenes kleines Gehäuse und wird einzeln an der Fassade befestigt. Zwischen den Buchstaben bleibt die Fassade sichtbar, weshalb diese Bauform in sensiblen Lagen oft leichter zu genehmigen ist als eine geschlossene Fläche.
- Profiltiefe
- Die Bautiefe eines Profilbuchstabens, also der Abstand zwischen Stirnfläche und Rückwand. Bei Leuchtcenter.de beträgt sie einheitlich 60 mm, eine Auswahl zwischen mehreren Bautiefen gibt es nicht. Dieses Maß lässt dem Licht im Inneren genug Weg, damit die Fläche punktfrei leuchtet, und trägt an der Fassade plastisch auf, ohne wuchtig zu wirken.
- Pulverbeschichtung
- Verfahren, bei dem Farbpulver elektrostatisch auf Aluminium aufgebracht und anschließend unter Hitze vernetzt wird. Ergebnis ist eine gleichmäßige, kratzfeste und UV-beständige Oberfläche in jedem RAL-Ton. Für Zargen und Korpusse die übliche Beschichtung, weil sie über Jahre im Freien farbtreu bleibt.
- Pylon
- Freistehende, meist beleuchtete Werbeanlage mit eigenem Fundament, auch Werbepylon oder Stele genannt. Eingesetzt an Grundstückseinfahrten, in Gewerbegebieten, bei Autohäusern und Fachmärkten, oft mit mehreren Mieterfeldern. Wegen Höhe und Fundament sind Pylone fast immer genehmigungspflichtig, und in aller Regel wird ein Standsicherheitsnachweis verlangt.
- RGBW
- LED-Technik mit roten, grünen, blauen und zusätzlichen weißen Dioden. Der separate Weißkanal liefert ein sauberes Weiß, das sich aus den Farbkanälen allein nicht mischen lässt. Damit sind farbige Szenen und ein neutraler Weißbetrieb in derselben Anlage möglich, was RGBW für Gastronomie, Ladenbau und wechselnde Kampagnen interessant macht.
- Rückleuchter
- Profilbuchstabe mit geschlossener Stirnfläche, dessen Licht nach hinten gegen die Wand strahlt und dort den Halo-Effekt erzeugt. Die Wirkung ist zurückhaltend und wird oft als hochwertig empfunden, weshalb Kanzleien, Praxen, Hotels und Bürogebäude diese Variante bevorzugen. Voraussetzung ist ein heller, gleichmäßiger Untergrund hinter dem Schriftzug.
- Seitenleuchter
- Profilbuchstabe, bei dem das Licht seitlich durch die Zarge austritt, weil diese lichtdurchlässig ausgeführt ist. Stirnfläche und Rückwand bleiben geschlossen. Der Effekt ist dekorativ und eher leise, deshalb findet man ihn vor allem im Innenausbau, in Empfangsbereichen und im Ladenbau, seltener an einer Straßenfassade.
- Sondernutzungserlaubnis
- Erlaubnis zur Nutzung öffentlichen Straßenraums über den Gemeingebrauch hinaus. Für Werbeanlagen wird sie nötig, sobald ein Ausleger, ein Nasenschild oder ein Vordachaufbau über die Grundstücksgrenze ragt. Erteilt wird sie von der Straßenbaubehörde oder vom Ordnungsamt, häufig befristet und gegen laufende Gebühr, unabhängig vom Bauordnungsrecht.
- Spannrahmen
- Umlaufendes Rahmenprofil, in das ein bedrucktes Textil mit Silikonkeder eingezogen wird. Die Fläche bleibt faltenfrei und lässt sich ohne Werkzeug am Gehäuse tauschen, weshalb der Spannrahmen bei wechselnden Motiven, im Ladenbau und auf Messen verbreitet ist. Hinterleuchtet ergibt er eine sehr gleichmäßige Fläche mit dünnem Rand.
- Stätte der Leistung
- Baurechtlicher Begriff für den Ort, an dem die beworbene Leistung tatsächlich erbracht wird. Werbung an der Stätte der Leistung ist Selbstwerbung und in fast allen Baugebieten grundsätzlich zulässig. Fremdwerbung wird deutlich enger geführt und ist in Wohngebieten regelmäßig unzulässig. Die Unterscheidung entscheidet über Zulässigkeit und Verfahrensfreiheit.
- Stirnfläche
- Die zur Straße gewandte Vorderseite eines Profilbuchstabens, auch Front genannt. Beim Frontleuchter besteht sie aus lichtstreuendem Acrylglas und ist die leuchtende Fläche, beim Rückleuchter bleibt sie geschlossen und kann in Aluminium oder Edelstahl ausgeführt sein. Ihre Ausführung entscheidet über die Wirkung des Schriftzugs am Tag.
- Trafo
- Umgangssprachliche Bezeichnung für das Netzteil einer LED-Anlage. Technisch handelt es sich um ein Schaltnetzteil, das die Netzspannung auf 12 oder 24 Volt wandelt, nicht um einen klassischen Transformator. Der Begriff hält sich aus der Zeit des Glasneons, bei dem tatsächlich Transformatoren die nötige Hochspannung erzeugten.
- Vektordatei
- Grafikdatei, in der Formen als Kurven und nicht als Bildpunkte beschrieben sind, üblich in den Formaten SVG, EPS, AI und PDF. Sie lässt sich verlustfrei auf jede Größe bringen und ist deshalb die ideale Vorlage für einen Buchstabensatz. Liegt nur ein Pixelbild vor, wird die Kontur vorher nachgezeichnet.
- Verfahrensfreiheit
- Zustand, in dem ein Vorhaben ohne Bauantrag ausgeführt werden darf, weil es im Katalog der verfahrensfreien Vorhaben der Landesbauordnung steht. Verfahrensfrei heißt nicht regelfrei: Die materiellen Anforderungen des Baurechts, das Satzungsrecht, der Denkmalschutz und das Straßenrecht gelten unverändert weiter. Wer verfahrensfrei baut, trägt das Risiko einer späteren Beanstandung selbst.
- Versalhöhe
- Die Höhe der Großbuchstaben eines Schriftzugs, gemessen von der Grundlinie bis zur Oberkante. Sie ist die entscheidende Größe für die Lesbarkeit: Als Faustregel ergibt ein Zentimeter Versalhöhe rund drei bis vier Meter Leseentfernung. Zu klein geplante Schriftzüge sind der häufigste Fehler an Fassaden.
- Werbeanlage
- Baurechtlicher Sammelbegriff für jede ortsfeste Einrichtung, die auf ein Gewerbe hinweist und vom öffentlichen Verkehrsraum aus sichtbar ist. Erfasst sind beleuchtete und unbeleuchtete Schilder, Schriftzüge, Ausleger, Pylone, beklebte Schaufenster und Fahnenmasten. Ob eine Anlage leuchtet, spielt für die Einordnung keine Rolle.
- Werbeanlagensatzung
- Kommunale Regelung, die Größe, Ausführung, Farben, Leuchtdichte, Platzierung und teils Abschaltzeiten von Werbeanlagen festlegt. Sie kann strenger sein als die Landesbauordnung und entscheidet in der Praxis häufig darüber, ob und in welcher Form eine Anlage genehmigt wird. Satzungen sind öffentlich einsehbar, meist auf der Website der Gemeinde.
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